Eine Mosaikreise nach Arezzo - Indicatore

Am meisten hat mich in diesem Jahr eine kleine Italienerin beeindruckt, die seit 4 Jahren ihr gesamtes Vermögen in eine kleine Kirche in einem Vorort von Arezzo - Indicatore, steckt, und diese mit Malereien an den Fenstern und einer beeindruckenden Mosaikkunst verschönert. 580 Helfer konnte Sie schon mobilisieren und unzählige Helferstunden, zu denen wir auch einen kleinen Beitrag leisten konnten. Wir sind in diesem Jahr Anfang Juni 2017 in die wunderschöne Toskana gefahren und wer mehr darüber erfahren möchte, kann im folgenden die ausführliche Geschichte lesen.

Durch eine Mosaikkünstlerin aus der Schweiz, die bei mir im letzten Jahr in einem Kurs war, hörte ich das erste Mal von dieser Kirche in Indicatore, die eine kleine Italienische Frau dort mit Mosaik zum Leben erweckte.
Andreina Giorgia Carpenito hat von dem Ansässigen Pastor – DON Santi Chioccioli den Auftrag bekommen, die großen Kirchenfenster zu gestalten. Nachdem Sie dies gemacht hat, hatte sie die Idee, doch die gesamte Kirche, die an sich sehr kahl und in den Augen des Bischofs eine Fehlkonstruktion war, zu verschönern. Sie fing an mit Mosaikkunst an der Außenfläche die ersten Stelen und den Fußboden zu gestalten.
Nachdem ihr gesamtes Privatvermögen immer weniger wurde, ging sie mehr und mehr in die Öffentlichkeit, und ansässige Firmen fingen an, Ihr Fliesen, Kleber und diverse Materialien zu spenden., die jedoch anfänglich von minderwertige Qualität waren, so daß einige Kunstwerke nicht lange hielten und Andreina auch noch nicht so viel Erfahrungen damit hatte. Zumindest konnte Sie die Leute, die einfach mal kamen, um zu arbeiten, beschäftigen. Dass sie selbst Designerin ist, hat sie sich die „Visionen Ezechiels“ angeschaut und so aufgezeichnet, wie sie die Kirche gestalten wollte.

Ich wurden über die Schweizerin – Cinzia Venturini von Ihr eingeladen, an der Kirche mitzuarbeiten und aktivierte noch eine Mosaikkünstlerin aus Ingolstadt (Heidi) und ein DOMO Mitglied aus Stuttgart – Frauke Löffler, für die Helferstunden.

Insgesamt waren wir 13 Mosaikkünstler, die sie auf Plakaten in der ganzen Stadt ankündigen lies. Unglaublich diese Gastfreundschaft und Großzügigkeit dieser Frau, der man sich nicht entziehen kann.
Wir arbeiteten die ersten beiden Tage in der Altstadt von Arezzo, wo Tische aufgebaut waren und sie auch vor Ort für Material, Essen und Getränke sorgte – man konnte das so fast nicht annehmen, wenn man weiß, dass Sie ihr gesamtes Vermögen in dieses Projekt steckt. (Aber sie meinte, Sie wisse, was es uns kostet, hierher zu fahren eine Unterkunft zu bezahlen und auch die Unkosten für die ganzen Tage zu haben, da möchte Sie wenigstens einen kleinen Teil davon übernehmen)

Wir hatten ganz viele Tische in der Altstadt von Arezzo, an denen wir mit unserem: „Auszug aus Ägypten“ arbeiten konnten. Neben uns hatten Künstlerateliers geöffnet, die ausstellten, rund um den Hauptplatz war eine tolle Antiquitätenmesse und die Stadt brodelte nur so vor Leben und Touristen.

Die Leute waren toll, viele blieben stehen und unterhielten sich mit uns und wir probierten jedesmal alle 3 Sprachen durch: Italienisch, Englisch oder Deutsch – eine passte immer. Wir wurden viel gefragt, wie wir dazu kamen, Arbeitsstunden zu leisten in einer italienischen Kirche und sogar das italienische Fernsehen interessierte sich dafür. Sie wollten wissen, warum wir hier arbeiten und was die Motivation dafür ist: Meine Antwort war, das man dieses Projekt einfach unterstützen muss und hier ein tolles Nebeneinander Arbeiten von vielen verschiedenen Nationen, die teilweise aus der ganzen Welt anreißten, passiert. Alles läuft Hand in Hand -man schaut, wo der Vorgänger aufgehört hat, nimmt die Zange in die Hand und machte genau dort weiter – es funktioniert, wenn man nur ein bisschen eine Vorstellung hat, wie sie es haben möchte.

2 Tage konnten wir in dieser schönen Altstadt arbeiten und ich schaffte meinen Auszug Nr. 6 für die Kirche. Es war Sonntag und viele Touristen flanierten durch die Altstadt. Sie probierten unsere Zangen, und die meisten blieben ein paar Minuten stehen, um uns auf die Finger zu schauen.

Abends organisierte Sie Essen für uns in Restaurants, die extra Sparpreise für uns machten und wo wir fast immer das gesamte Restaurant für uns hatten mit ganz tollen 5 Gänge Menüs der Spezialitäten der Toskana.

Trotz arbeiten in der Hitze hatten wir immer einen riesigen Spaß und konnten viel mit den Leuten lachen. Vor allem auch mit den älteren Herren, die Bilder malten und uns ab und zu mit einem guten Wein versorgten.

Am 2. Tag konnten wir endlich zu der Kirche fahren, der Pfarrer hatte uns eingeladen zum Abendessen und wir freuten uns auf eine tolle Dachterrasse mit einem schönen Ausblick auf die Hügel in der Toskana.

Andreina zeigte uns am Sonntag Abend die Kirche - unglaublich die Arbeiten, die dort schon gemacht wurden. Sie hatte bis dato über 580 Helfer, Kinder, Menschen mit Handicap, einfache Handwerker und Geschäftsleute, die sie oft mit Material und anderen Sachspenden halfen – das besondere ist bis dato, es waren bisher nur 5% Mosaikkünstler, die mitgearbeitet hatten.

Sie erklärte uns in der Kirche ihre Ideen und Visionen, die Sie hier anbringen wollte. Unten die steinigen Wege, die Moses ging mit seinen Ägyptern, dann lief er durch die Wüste und kam an ein Meer, daß er teilte und mit seinem Gefolge hindurchging.
Der Auszug aus Ägypten, an dem ich schon in Reichertshofen an 5 großen Teilen gearbeitet hatte, wird dann in den „Ovalen Aussparungen“ über dem Meer angebracht. Wir arbeiteten nochmals an diesen Menschen und konnten in der Zeit wenigstens noch ein paar fertigstellen. Ich habe mir 2 sehr große Bögen als Fleißaufgabe mit nach Bayern genommen.

Eine Anmerkung: Ich bin in Ägypten eingeschult worden und verbrachte meine ersten, sehr intensiven Schuljahre in Kairo in einem Haus am Nil – die Geschichte dort hat mich immer fasziniert, die Ausgrabungen, das Land und die Leute – es spielt wohl auch eine Rolle, daß ich unbedingt an der Kirche mithelfen wollte

Moses kam in das gelobte Land, wo er sich mit seiner Gemeinschaft niederließ, und die Felder bestellte und neues Leben entstand (Dargestellt in den Bäumen, die oben zu einem Blätterdach zusammenliefen mit den Tieren des Himmels.)

Es ist nur ein winzig kleines Puzzlesteinchen, das wir hier legen konnten, Andreina ist mindestens die nächsten 10 Jahre noch an der Kirche am Arbeiten. Ihr gesamtes Vermögen steckt in Ihren Visionen von Ezechiel und sie ist auf viele Helferstunden angewiesen.

Es war eine tolle Truppe, 6 davon Mosaikkünstler, die wirklich gut waren. Claudio Brunelli z. B. kommt jedes Jahr für 1 Monat an die Kirche um zu helfen. Er ist Italiener und lebt in Ravenna.  Maria de Cataldo, eine Römerin, die mit ihrem Mann eine Werkstatt in Rom hat und viele Mosaike in der alten byzantinischen Technik legt. Virginia Zanotti, auch eine Künstlerin aus Ravenna.
Dann hat sie auch einen Dauer Helfer – Luigi, 70 Jahre alt, der seit dem ersten Tag vor 4 Jahren immer wieder als Unterstützung mit ihr arbeitet.
Dann natürlich noch der Pfarrer Don Santi Chioccioli, der Zimmer/Betten zur Verfügung stellt, für die Leute, die arbeiten und auch für sie kocht. Ein toller Pfarrer, der hinter dieser Mosaikkunst steht und dafür vom Bischoff mit Gehaltskürzungen bestraft wird – Unglaublich (Von 1.000 Euro hat ihm der Bischoff sein Salär auf 800 gekürzt, weil er nicht will, das er den Bau unterstützt.

Wir hatten eine intensive, aber leider zu kurze Zeit in Indicatore, aber ich werde, sobald es möglich ist, nochmals hinfahren und helfen.
Das Schönste ist die Hand in Hand Arbeit neben Italienern, Schweizern und es gibt keine Sprachschwierigkeiten, keine Diskussionen, man versteht sich durch die Arbeit und so wie man kleine Steine zusammenfügt, wachsen die Menschen mit dieser Arbeit zusammen und werden eine Gemeinschaft.

Caroline Jung/Juni 2017